Ein Urlaub auf dem Campingplatz und wie Realitäten verschieden sein können
Die letzten zwei Wochen war ich mit unseren Kindern auf einem Campingplatz. Wir waren in einem Zelt und genossen die Wärme eines sonnigen Herbstes.
Da der Campingplatz einer von wenigen war, die im Oktober noch geöffnet waren, hatte meine Schwester zur fast gleichen Zeit auch ihre Herbstferien dort gebucht. Sie verbrachte ihre Ferien mit ihrem Mann und ihren drei Kinder in einem Bungalow, während ich ein paar hundert Meter weiter weg mit meinen Kindern in einem Zelt wohnte.
Ich sandte Urlaubsfotos per WhatsApp auf unseren Familien Chat. Meine Bilder sahen so aus:
Kurz danach telefonierte meine Schwester mit unserer Mutter und erzählte ihr, dass es zwar sonniges Wetter sei, aber doch zu kühl um draußen zu baden. Auch gebe es so viele Mücken, dass es unmöglich sei, Abends noch draußen zu essen, und dass sie froh um ihr Bungalow seien, wo man die Fenster schließen konnte.
Meine Mutter fand, dass meine Bilder nicht mit ihren Erzählungen überein passen würden und fragte sich, welche Version der Geschichte nun richtig war: Unsere, mit den Fotos vom draußen Baden, draußen Abend zu essen… oder ihre Version, dass das Wetter zwar sonnig aber auch kühl sei und es zu viele Mücken gebe, um Abends draußen zu sein.
Um die Situation zu klären, schickten wir ihr dieses Bild:
Der selbe Tag, der selbe Strand, unsere Kinder spielten zusammen im Sand … ihre waren gekleidet für schönes aber frisches Wetter, meine so, als wäre es angenehm warm.
Beide Versionen der Geschichte waren richtig. Wir hatten nicht gelogen oder ihnen etwas vorgetäuscht. In unserer individuellen Realität waren wir in der Erfahrung unserer Ferien völlig real. Wir sind Schwestern. Wir sind zusammen aufgewachsen. Wir haben denselben Hintergrund, dieselben Eltern – wir haben sogar die gleiche Ausbildung als Kleinkinder Erzieherinnen. Und dennoch nahmen wir unsere Ferien so grundverschieden wahr.
Es war zwar amüsant zu sehen, wie unterschiedlich unsere Realitäten waren – doch dies hat mich auch zum Nachdenken gebracht.
Wie oft sehen wir die Welt so, wie wir sind, anstatt so, wie sie ist!
Diese unterschiedlichen Wahrnehmungen können durch unterschiedliche Kulturen oder unterschiedliche Erziehung auftreten … aber selbst in der gleichen Familie können wir diese Unterschiede feststellen.
Wie sollen wir diese Unterschiede bewältigen? Welche Unterschiede werden Sie in Ihrer eigenen Familie akzeptieren? An welche Realität halten Sie sich? Was ist Ihre ultimative Wahrheit?
Es hat Jahre gedauert, bis ich mich von diesen Labels zu befreien konnte, die Scham überwinden konnte, mich selbst zu sein und Schritt für Schritt in meine eigene Einzigartigkeit einzusteigen.
Heute setze ich alles daran, unseren Kindern diesen Weg einfacher zu machen. Wir möchten, dass sie zu ihrer eigenen Einzigartigkeit reifen, möchten sie dazu führen, ihre Berufung im Leben zu erkennen. Das zu tun und das zu sein, wozu sie geschaffen wurden.
Wie können wir je zu dem werden, was wir wirklich sind? Wie können wir unseren Kindern die Freiheit geben, in dieser Einzigartigkeit aufzublühen?
Meine Erfahrung mit dieser Frage ist einfach und doch tief gehend:
Den zu kennen, der uns gemacht hat.
Gott ist derjenige, der uns kennt, der uns erschaffen hat, der uns liebt. Und er ist die ultimative Wahrheit. Das Wort Gottes sagt uns, was richtig und falsch ist, wer Gott ist, was er über uns denkt.
Somit sind Unterschiede für uns nicht mehr schwierig oder gar bedrohlich, sondern sie machen unsere Kinder noch liebenswerter, interessanter und spezieller.
Wenn Sie dies verstehen, wird es auch Ihr Ziel sein, Ihr Kind vom ersten Moment an kennen zu lernen. Dies zu wissen ermöglicht Ihnen, dieses einzigartige Elternteil zu sein und Ihr Kind dabei zu unterstützen, seine Lebensaufgabe zu erkennen und darin zu wandeln.
In diesem Sinne werden viele Verschiedenheiten, die wir im Familienalltag erleben, spannend. Das Abenteuer, die Einzigartigkeit unserer Kinder kennen zu lernen, kann beginnen.
In den Ferien gab es auch so eine Situation mit einem meiner Jungs:
Wie ich bereits sagte, schliefen wir in einem Zelt und die Temperatur sank während der Nacht auf 12 bis 16 °C. Ich zog mich warm an und hatte nie zu heiß. Natürlich wollte ich meine Kinder genauso einkleiden, damit sie keine Erkältung bekämen.
Aber einer meiner Jungs war davon nicht begeistert. Er sagte mir: „Mami, ich werde schwitzen, wenn ich all diese Kleider anziehe!“ Da ich wusste, dass er nicht leicht kalt hatte, ließ ich ihn sich leichter kleiden. Wenn ich jeweils aufwachte (morgens, oder manchmal auch mitten in der Nacht,) und ich nachschaute, ob die Kinder gut zugedeckt sind war er nie kalt.
Was war die Realität dieser Situation? Nun …dass die Temperatur draußen zwischen 12 und 16 Grad war..
Ich nehme an, dass sie schon einige solche Situationen mit ihren Kindern erlebt haben, in denen sich die Realität Ihres Kindes von Ihrer unterscheidet.
Das Wunderbare daran ist – es ist gar nicht nötig, dass sich die Kinder genauso fühlen wie wir, Dinge genauso wahrnehmen wie wir!
Es ist vielmehr unsere Aufgabe, zu verstehen, was ihr Empfinden in verschiedenen Situationen ist, und ihnen zu helfen, in ihrer Einzigartigkeit zu reifen Persönlichkeiten heranzuwachsen, um ihre Lebensaufgabe mit Erfolg und in Freiheit ausüben zu können.