Noch war während ich meinen letzten Artikel (Das Verabschieden vom Traumprinzen – um in einem echten Märchen zu leben) schrieb, war mir bewusst dass es Menschen gibt, die in einer wirklich schwierigen Situation in ihrer Ehe stecken. Ich war mir bewusst, dass meine Herausforderungen mit Benny alltägliche Dinge betreffen, in denen wir mit einer richtigen Haltung und korrekten Erwartung viel wunderbares aufbauen können.
Und richtig, bei einem Austausch mit einer guten Freundin, kam unser Gespräch genau auf dieses Thema. Diese Freundin, nennen wir sie Katja, hat eine Geschichte, die weit über meinen Artikel hinausgeht. Deshalb habe ich sie gebeten, doch bitte Ihre Erfahrung mit uns zu teilen – für all diejenigen , die sich mit meiner Situation nicht identifizieren können, weil die Probleme  in ihrer Ehe über die hinaus gehen, die mit einer guten Haltung und korrekten Erwartung lösbar sind.

Hören wir uns doch also an, was sie interessantes zum Thema zu sagen hat:

Was, wenn das Verabschieden vom Traumprinzen nicht bedeutet, in ein echtes Märchen einzutreten?

von | Feb 17, 2019 | Ehe, Glaubens Impulse, Persönliches wachstum | 2 Kommentare

“Als ich den Bericht von Jeanne gelesen hatte, kamen mir viele Gedanken. Alles was sie schreibt finde ich wahr und richtig, jedoch geht sie von einer Ehe aus, die im Grossen und Ganzen in Ordnung ist. Doch was ist, wenn wir in einer sehr schweren Situation in unserer Ehe stecken?

 Meine Ehe war sehr schwierig.

Unsere Situation:

Wir haben zwei Kinder, damals ein und drei Jahre alt. Mein Mann und ich leiten zusammen ein Unternehmen und diese Arbeit forderte viel Engagement von uns, so dass es leicht passierte, dass wir uns von unserer Ehe-Situation ablenken liessen.
Mein Mann wurde durch verschiedene Situationen in seinem Leben immer unzufriedener. Neid sprosste in seinem Herzen über all die Menschen, die in seinen Augen einen erfolgreicheren Weg gegangen waren. Er hatte mit Pornografie zu kämpfen.

Meine Schwangerschaften, die Geburten sowie die Kleinkind-Phase löste in ihm Überforderung aus – ja sogar depressive Phasen. Während diesen Zeiten musste ich ihm Mut zusprechen und eine Unterstützung sein. Dieser krasse Zustand seines Herzens bekam ich, als seine Frau am meisten zu spüren. Durch seine tiefe Unzufriedenheit behandelte er mich ohne jegliche Wertschätzung. Oft motzte er tagelang nur herum. Er hatte kein aufbauendes Wort für mich oder unsere Kinder übrig. Auch körperlich berührte er mich nur, wenn wir Sex hatten. Jedes Mal nach dem Sex fühlte ich mich ausgesaugt und gebraucht, da unser Sex nur daraus bestand, dass er befriedigt wurde.

 

Ich bin eine starke Frau und trug in diesen Monaten meine Kinder – die sehr schlecht schliefen und nicht wirklich pflegeleichte Babys und Kleinkinder waren. Dazu stütze sich mein Mann 100 % auf mich ab, gerade auch in der Leitung der Firma, die wir eigentlich zusammen führten. Es fühlte sich so an, als ob ich ihn auch noch durchs Leben tragen müsste.
Dabei hätte ich mich so nach einem Mann gesehnt, bei dem ich mich einfach hätte anlehnen und fallenlassen können, ein Mann, mit dem ich gemeinsam durchs Leben gehen könnte und wir miteinander unsere Herausforderungen angehen könnten.  

Meine Reaktion:

Doch diesen Wusch verdrängte ich – wie auch jedes Gefühl der Ohnmacht, der Wut, der Trauer, des Zorns, der Ablehnung und der Hoffnungslosigkeit. Ich wusste, man braucht mich, ich musste einfach durchhalten, nach dem Motto: „Augen zu und durch“.

Es kam, wie es kommen musste:

Doch diese Emotionen waren trotzdem da, tief in meinem Herzen und sie wurden immer stärker. Weil ich diese Emotionen aber nicht zuliess, waren auch die guten Emotionen für meinen Mann wie weggeblasen. Ich hatte keine positiven Emotionen/Gefühle mehr, ich wurde ihm gegenüber immer gleichgültiger. Ich distanzierte mich innerlich immer mehr von ihm. Meine wahren Emotionen und meine humorvolle, unbeschwerte, glückliche Art verschwanden mit der Zeit ebenfalls.

Eines Tages kam ein neuer Mitarbeiter in die Firma. Dieser Typ konnte eines sehr gut: zuhören. Er hatte diese sensible Antenne und durchschaute mich. Er sah hinter meine starke Fassade und holte mich dort ab. Dies löste sehr viel in mir aus – und plötzlich waren alle positiven Gefühle wieder da, die ich so lange nicht mehr gefühlt hatte. So verliebte ich mich in diesen Mann.

Was jetzt?

Wenn jetzt einer gekommen wäre und gesagt hätte, ich solle doch einfach dankbar sein und unsere Ehe als Segen anschauen, hätte ich es vielleicht in meinem Verstand sogar bestätigt. Schliesslich sind schwierige Situationen oft ein grosser Segen, weil sie einen ans Herz Gottes ziehen können. Doch in meinem Herzen hätte ich diese Person nur ausgelacht. So ging ich durch einen Prozess des Zerbruchs, da mein Herz und mein Verstand zwei total verschiedene Wege gehen wollten.

Ich wollte meinen Mann nicht mehr, ich sah das Glück vor meinen Augen tanzen und durfte nicht zugreifen, da ich die Wege Gottes gehen wollte. Jetzt plötzlich, da ich meine positiven Gefühle, die tief in meinem Innern verborgen waren, nicht mehr zurückhalten konnte, kamen auch die negativen Emotionen gegenüber meinem Mann hinterher. Alles brach über mir zusammen. Ich wusste nicht mehr, ob ich vorwärts oder rückwärts gehen sollte. Es war eine ausweglose Situation. Doch schon damals hörte ich dauernd das Lied: Blessings von Laura Story, dass sich heute bewahrheitet hatte.

Eine versteckte Segnung…

Es war eine versteckte Segnung. Wenn dieser andere Mann nicht in mein Leben getreten wäre, hätte ich meine Emotionen weiter verstecken können. Irgendwann hätten wir uns scheiden lassen, weil meine Emotionen meinem Mann gegenüber so abgestorben gewesen wären, dass wirklich alles vorbei gewesen wäre.
Aber so war ich gezwungen, mich diesem schlimmen Schmerz stellen.

Heute sind wir Gott sei Dank an einem ganz anderen Ort.

Mich diesem Schmerz zu stellen bedeutete viele Monate tiefe Traurigkeit und verpasste mir viele schlaflose Nächte.

Doch mein Herz hatte begriffen, dass dieser andere Mann auch nicht dieser Prinz in der silbernen Rüstung war, sondern eher ein Egoist, der unsere Krise für seine Befriedigung ausgenutzt hatte. Auch er hätte mich nicht in ein Märchen eintreten lassen. Mein Herz begriff, dass auch dieser andere Mann nicht meine tiefen Bedürfnisse stillen konnte, sondern das Jesus allein mein Herz heilen konnte. Jesus  verstand meinen tiefsten Schmerz.

Grenzen setzen und Verantwortung übernehmen

Noch etwas hatte ich begriffen, was meine Sicht veränderte. Es war an der Zeit, Verantwortung zu übernehmen und Grenzen zu setzen. Ich war hier nicht das Opfer, ich hatte sowohl meinem eigenen Mann wie diesem anderen Mann zu wenig Grenzen gesetzt. Natürlich war das in dieser Krise ein schmerzvoller Lernprozess und ich habe bis heute nicht ausgelernt. Doch es ist auch ein neues Lebensgefühl zu wissen, dass man für sein Leben selbst verantwortlich ist und (oft) eine Wahl hat und eine Entscheidung treffen kann, auch wenn diese wegen dem Schmerz in unserem Herzen einen umzubringen scheint.

Doch ich verstehe jeden, der diese Entscheidungen nicht von heute auf Morgen treffen kann. Oftmals benötigen wir dabei Unterstützung – manchmal auch Professionelle. Und ein Herz, das sich an Jesus hängt, kompromisslos. In meiner tiefsten Zeit verbrachte ich viele Momente mit Jesus, klagte ihm mein tiefstes Leid, weinte viel, und hielt mich trotz meinem kaputten Herzen, meiner Unperfektheit an ihm fest. 

Meine oberste Priorität:

Durch keinen Schmerz, kein Fehlverhalten, keine Situation lasse ich mich von Jesus wegziehen. Ich komme vor ihn, so wie ich bin, denn er kennt mein Herz so oder so. Das wunderschöne dabei ist, er verurteilt mich nicht, sondern er liebt mein Herz und mein Verlangen, ihm so nahe zu sein, berührt ihn. Jedoch konfrontierte er mich immer wieder mit dem Zustand meines Herzens, denn er liebt uns auch zu sehr, um uns so zu lassen wie wir sind.

Zurück zur Dankbarkeit:

Heute, wenn ich zurückblicke, sehe ich diese Krise als Segen. Ich  durfte vieles lernen. Ich durfte erkennen, dass Jesus wirklich treu ist, auch wenn wir untreu sind.
Meine Schwierigkeiten in der Ehe zogen sich über 10 Jahre hindurch und sind auch heute nicht ganz beseitigt – doch, ich weiss, es gibt Menschen, welche noch viel mehr durchmachen mussten.

Ich ermutige alle, sich diesem Schmerz zu stellen und nicht einfach davonzulaufen. Davonlaufen wäre oft viel einfacher. Dies gilt für verschiedenste Lebensbereiche und nicht nur im Bezug auf die Ehe – Ich habe oft mit Menschen zusammen gearbeitet, die keinen Ehepartner hatten und ja, da kann sich der genau gleiche Schmerz ansammeln.

Aber ich möchte uns ermutigen, nicht davonzulaufen. Denn irgendwann holen einen die Emotionen ein und dann ist es oft zu spät, um noch etwas retten zu können. Oft ist es zu spät, wenn wir zu lange versucht haben, stark zu sein. Hab den Mut, dich diesem Schmerz in deinem Leben zu stellen, für dich und deine Familie. Dann wirst du eines Tages die Früchte davon ernten können….

2 Kommentare

  1. Doris

    Danke für diese berührende geschichte! Danke für deinen mut, diese öfgentlich zu machen! Und ja, ich kann bestätigen: es lohnt sich wirklich durchzuhalten+ich bin mir sicher, der HERR wird dir ein reicher belohner sein fürs dranbleiben; ER wir dir alles zurückgeben, worauf du in dieser schweren zeit verzichten mussest+ noch viel mehr! Liebe grüsse+sei gesegnet!

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  2. Heinz Etter

    Wow, Katja, vielen Dank für dieses Zeugnis. Dass eine Aussenbeziehung dir so die Augen öffnen konnte für deinen eigenen Zustand, ist schon ziemlich anders als die gängige Lehrmeinung.

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