3 wichtige Dinge die bei der Entscheidung, Ihr Kind in die Kita zu geben, zu beachten sind.
In unserer westlichen Welt ist die Kita unentbehrlich geworden.
Sie erlaubt es den Eltern, Beruf und Familie zu vereinen.
Für einige Familiensituationen ist sie unvermeidbar, für andere eine kulturelle Norm, für einige ein Lebensstandard.
Als ich, bevor ich selber Kinder hatte, in einer Kita arbeitete, traf ich auf viele verschiedene Beweggründe, warum Eltern ihre Kinder zu uns brachten.
Während meiner Ausbildung wurde uns natürlich gelehrt, dass eine Kita das Beste ist, was einem Kind passieren kann. Wir haben gelernt, wie man eine qualitativ hochstehende und professionelle Kita mit einem schönen Ambiente gestalten kann. Uns wurde beigebracht, wie wir die Kinder fördern können und wie wir für ihr allgemeines Wohl sorgen können. Dies natürlich unter Berücksichtigung der verschiedenen Hintergründe der Kinder, ihrer Persönlichkeiten und Bedürfnisse.
In diesem Artikel erfahren Sie meine persönlichen Gedanken dazu, was aus meiner Sicht zu beachten ist, wenn Sie Ihr Kind in eine Kita geben möchten – oder auf welche Dinge sie Achten sollten, wenn dies für Sie unvermeidbar sein sollte.
1. Welche Persönlichkeit hat Ihr Kind?
a. Nach meiner Erfahrung gibt es Kinder, die liebend gerne in die Kita gehen. Diese Kinder sind glücklich und sogar begeistert, dort zu sein und fast traurig, wenn es Zeit ist, wieder nach Hause zu gehen.
Nicht etwa, weil sie kein gutes zu Hause hätten, sondern weil sie durch den sozialen Kontakt mit anderen Kindern aufblühen.
b. Dann gibt es diejenigen Kinder, die sich in einer Kita nie glücklich fühlen werden. Wir hatten einen Jungen an meinem Arbeitsplatz, der meistens traurig bei uns Erwachsenen sass und nicht mit den anderen Kindern spielen wollte. Er war auch an anderen Aktivitäten, die wir ihm anboten, nicht interessiert. Er wurde mit viel Geduld und Wohlwollen behandelt aber war dennoch unglücklich. Es waren ihm zu viele Kinder und er fühlte sich verloren, weil er nicht zuhause war.
c. Dann gibt es diejenigen Kinder, welche die Realität einer Kita einfach akzeptieren.
1. Wenn ihr Kind in der Kita ist, erkundigen sie sich nach der Rolle, die ihr Kind in einer Gruppe einnimmt.
Als ich in der Kita arbeitete, fand ich es sehr spannend, die Gruppendynamik zu beobachten. Die einzelnen Rollen in so einer Kindergruppe waren meistens offensichtlich und einfach zu erkennen.
Da gab es den Anführer, den Mitläufer, den Aussenseiter, den Clown, den Fiesling, den Meinungsmacher (Chef) und den Vermittler – unter anderen.
Doch hier ist das Problem: Oft bleibt ein Kind bei seiner Rolle, die es während seiner Zeit in der Kita annimmt und behält diese meistens durch die ganze Schulzeit hindurch.
Eine fähige Erzieherin weiss das, und wird der Kindergruppe beistehen um eine gute Gruppendynamik zu bekommen. Sie wird den Kindern helfen, einen Aussenseiter einzuschliessen und sich um den Fiesling kümmern. Sie wird einem Mitläufer lehren, seine eigene Meinung zu haben und dem Anführer zeigen, wie er das besser machen kann.
Das ist das Ideal, wozu Erzieher auch geschult werden.
Jedoch sind Fachleute selten sensibel und fähig genug, wirklich zu intervenieren und einer Gruppe von Kindern zu helfen, diese auferbauende und gesunde Gruppendynamik zu entwickeln.
Eine meiner Arbeitskolleginnen, die für eine Kindergruppe verantwortlich war, hatte ein grossartiges Talent, mit diesem Aspekt umzugehen, und ich liebte es, von ihr zu lernen. Ich habe jedoch viele andere gesehen, die nichts unternahmen und die Kindergruppe im Freispiel sich selbst überliessen, so lange es keinen zu grossen Streit gab. Für die betroffenen Kinder heisst das, dass die Rolle, die sie während ihrer Zeit in der Kita einnahmen (wo sie nicht die emotionale Reife hatten, selbst über diese Rolle zu entscheiden) bis weit in die Schulzeit mit ihnen bleiben wird.
1. Seien Sie sich bewusst, dass die Betreuung ihres Kindes durch ausgebildete Fachpersonen nicht unbedingt bedeutet, dass ihr Kind in den besten Händen ist.
Wenn Ihr Auto eine Reparatur benötigt, bringen Sie es zu einem Automechaniker, weil Sie wissen, dass ein Fachmann dies viel besser machen wird als, wenn sie es selbst versuchen.
Das gleiche gilt für Ihre Hochzeitsfotos. Wenn Sie es sich irgendwie leisten können, buchen sie einen Fotografen. Er wird in der Lage sein, sein Fachwissen und sein hochqualitatives Material zu nutzen, um fantastische Aufnahmen für diesen besonderen Tag zu machen.
Oft glauben wir, dass es bei den „Experten“ im Bereich der Kinderbetreuung dasselbe ist.
Aber ich sage Ihnen: Meine Kollegen und ich waren nur Menschen an der Arbeit. Und überall in diesem Bereich der Kinderbetreuung ist dies eine Realität. Wir gingen zur Arbeit. Wir taten unsere Arbeit. Die meisten von uns, so gut wir konnten, mit viel Herz, gutem Willen und den besten Absichten für alle Kinder.
Es waren jedoch nicht unsere Kinder.
a. Viele von uns, die in der KITA arbeiteten, hatten keine eigenen Kinder. Wir hatten nie unsere eigenen Babys. Wir wussten nicht instinktiv, was so ein drei Monate altes Baby wirklich brauchte.
Darüber hinaus hatten wir eine ganze Gruppe von Kindern, für die wir gleichzeitig sorgen mussten.
Einmal tauschte ich mit einer Freundin, die auf dem gleichen Gebiet wie ich arbeitete, aus. Sie erzählte mir, wie sie in der Kindergruppe ein sechs monatiges Baby hatte, dass viel weinte. Sie empfand den Geräuschpegel, den dieses Kind im Zimmer verursachte, unerträglich und stellte das schreiende Baby kurzerhand vor die Tür, in die Garderobe. Das Baby weinte dann dort noch eine ganze Weile weiter.
Eine andere Freundin, die sich um ein ähnliches Baby kümmern musste, packte es kurzerhand in eine Trage und kümmerte sich, mit dem Baby an sich gebunden, um die anderen Kinder.
Aber was sie tat, ist definitiv nicht die Norm.
b. Wir als Eltern haben meistens unsere Herausforderungen, mit all unseren Kindern gleich geduldig zu sein, und sie alle gleichermassen zu verstehen. Oft neigen wir dazu, mit einem unserer Kinder geduldiger und gnädiger zu sein, als mit dem anderen, das ein anderes Temperament hat.
Das Gleiche passiert in einer Kita, nur in einem viel grösseren Ausmass.
Es gibt die Kinder, für die wir eine natürliche Sympathie und Liebe haben – und dann gibt es jene, die uns mit ihrem ganzen Verhalten wirklich herausfordern. Die Fachleute, die sich dessen bewusst sind, leisten oft gute Arbeit bei dem Versuch, alle Kinder gleich zu behandeln. Dies erweist sich jedoch in Stresssituationen als äusserst herausfordernd.
Andere Fachleute folgen einfach ihrem Gefühl und verhalten sich somit unfair dem Kind gegenüber, das ihnen nicht entspricht und das sie nicht verstehen.
Mir ist es bewusst, dass ich in diesem Artikel nicht wirklich ermutige, ein Kind in eine Kita zu geben.
Und in der Tat, wenn es nicht in bestimmten Lebenssituationen unvermeidbar wäre, würde ich Eltern in dem allermeisten Fällen vorschlagen, ihr Kind zu Hause zu behalten. (Zu unvermeidbaren Situationen gehören nach meiner Erfahrung auch alleinerziehende Eltern die Arbeiten gehen müssen oder schwierige Familienverhältnisse.
Jedes Jahr hatten wir ein oder zwei Kinder, die vom Sozialamt aus zu uns gebracht wurden. Eines der Kinder hatte bis zu seinem Eintritt in die Kita mit 20 Monate nur Babybrei gegessen und war im sozialen Bereich im Rückstand. Dieses Kind hat sich in seiner Kita-Zeit sehr schnell verändert und ist zu einem aufgeweckten kleinen Jungen herangewachsen. Auch Kinder mit depressiven Eltern hatten bei uns in der Kita einen wohltuenden Ausgleich. )
In unvermeidbaren Situationen würde ich raten:
a.) Vertrauen Sie Ihr Kind niemals einer Kita an, nur weil sie das Gefühl haben, dass ihr Kind dort besser aufgehoben ist, als bei Ihnen, nur weil dort Fachleute sind.
Nehmen Sie aktiv Teil am Leben ihres Kindes, indem sie Kontakt mit den Betreuern ihres Kindes suchen, sich Zeit nehmen, die anderen Kinder kennen zu lernen (sei es durch das Erzählen Ihres eigenen Kindes oder beim Bringen/Abholen ihres Kindes). Sprechen Sie mit ihrem Kind über seinen Tag, lassen Sie es erzählen, nehmen Sie regen Anteil.
b.) Je später desto besser – das ist einen Rat, den ich schon von verschiedenen Fachleute gehört habe und den auch ich vertrete. Ein Baby ist schlicht und einfach überfordert mit dem Lärm, den verschiedenen Bezugspersonen und der fehlenden Mama. Wenn ihr Kind schon sprechen kann, wird alles einfacher. Das Kind kann sich ausdrücken – in der Kita und auch zu Hause, was es erlebt hat, und wie es sich dabei gefühlt hat. Bei kleineren Kindern können die Betreuungspersonen oft nur vermuten, was in dem Kind vorgeht, und die Eltern wissen nur das, was sie von den Erzieherinnen beim Abholen zwischen Tür und Angel erfahren haben.
c.) Senden Sie das Kind so wenig wie möglich in die Kita. Organisieren Sie Ihr Leben so, dass Sie Zeit haben, in Ihr Kind zu investieren, wenn es bei Ihnen ist.
Als Ausnahme sehe ich ein hoch soziales Kind. Ein Kind, das beim Kontakt mit anderen Kindern förmlich aufblüht, und zu Hause keine Geschwister oder Nachbarskinder hat, mit denen es spielen könnte. Diese Kinder sind nicht sehr verbreitet, aber sie sind normalerweise leicht zu erkennen.
Wir als Familie haben unsere Kinder nie in eine Kita geschickt. Ich bin vollzeitig Hausfrau und Mami und umsorge meine Familie. Natürlich bedeutet dies ein finanzielles Opfer, aber das ist es uns wert. In unserem kleinen Dorf mit 400 Einwohnern haben wir ein bis zwei Vormittage pro Woche Spielgruppe. Wir sind die einzige Familie, die unsere 3-4 Jährigen Kinder nicht dorthin schickt, um mit gleichalterigen Kindern zu spielen. Unsere beiden Grossen, die jetzt in die Schule und in den Kindergarten gehen, stehen trotzdem den anderen Kindern, was die Beziehungsebene angeht, in nichts nach.
Im nächsten Sommer, wenn das dritte Kind in den Kindergarten kommt, wird der Jüngste sogar alleine zu Hause sein. Trotzdem wird er nicht in die Spielgruppe gehen, sondern ich werde die Zeit alleine mit ihm geniessen, und Qualitätszeiten in ihn investieren.
Ich bin mir sicher, dass jede Investition von Qualitätszeit, die wir in diesem jungen Alter in ein Kind investieren, von Bedeutung ist. Dieselbe Investition wird in einem späteren Alter nicht mehr dieselbe Auswirkung haben. Es ist der wichtigste Zeitrahmen im Leben eines Kindes, um Liebe zu empfangen und eine emotionale Sicherheit als Basis für das ganze Leben zu erhalten.