Streitereien unter Geschwister – etwas ganz normales?

von | Okt. 16, 2017 | Erziehung, Familienleben

Im deutschsprachigen Raum existiert die weit verbreitete Meinung, dass es normal ist, dass Geschwister sich streiten. Dass Geschwister Rivalitäten haben. Dass Geschwister untereinander gemein sein können.

Geschwister

In meiner Herkunfts Familie war dies sicherlich so. Wir hatten nicht nur Streit und Rivalitäten. Wir waren nicht nur gemein zueinander. Da gab es sogar Zeiten, in denen wir einander regelrecht hassten.

Heute habe ich ein sehr gutes Verhältnis mit meinen Geschwistern. Dies aber nur, weil wir miteinander über die vergangenen Zeiten reden konnten, einander vergeben konnten und eine Beziehung des Vertrauens aufbauen konnten, als wir schon Erwachsen waren.

Ich kenne aber Familien, in denen die Geschwister nicht zusammen halten. Wo die Geschwister keine Freunde sind, sich nicht wirklich kennen und sich oft nicht mal ausstehen können.
Da gab es schon manche Situation in der ich beobachten konnte oder mir erzählte wurde, wie die Geschwister untereinander litten.

Vor einiger Zeit teilte eine Mutter einen Artikel auf Facebook, der von einer Fachperson in Erziehung geschrieben wurde. Dieser Artikel sagte aus, das es gut und wichtig sei, dass sich Geschwister untereinander streiten und dass wir als Erwachsene uns raushalten sollten.

Nun, jemand stellte mal die Frage:

Wenn Kinder wirklich in der Lage sind, Konflikte selbst zu lösen – weshalb sind denn Strassengangs und Gruppen von Gleichaltrigen nicht ein friedlicherer und fruchtbarerer Ort, an dem sich jeder frei fühlt, sich selbst zu sein?

Die Antwort ist einfach: Kinder müssen lernen, zu streiten und Konflikte zu lösen. Sie müssen lernen, mit den negativen Gefühlen im Bezug auf Geschwister oder Gleichalterige umzugehen. Sie müssen lernen, wie sie sich selbst sein können, ohne dabei Schwächere zu erdrücken.

Mit dieser Überzeugung erziehen wir unsere Kinder – und es funktioniert.

Wir hatten schon mehrmals Besuch, der erstaunt war wie liebenvoll und fürsorglich unsere Kinder miteinander umgehen, wie gut sie Konflikte untereinander austragen,  wie gut sie mit dem Frust umgehen können, den sie in manchen Situationen im Bezug auf ihre Geschwister haben.

Ich glaube nicht, dass unsere Kinder anders sind als andere Kinder. Aber ich glaube, dass es einen grossen Unterschied macht, was wir Eltern als „normal“ ansehen.

Wir als Eltern haben einen großen Einfluss auf unsere Familien-Kultur. Wir sind diejenigen, die entscheiden, was akzeptables Verhalten ist – und was ein no-go ist.

Was wir akzeptieren, hat viel zu tun mit dem, was wir als „normal“ erachten.

Wir haben als Familie unsere eigenen Norm errichtet. Dies hilft uns sehr im Umgang mit alltäglichen Situationen.

Hier sind einige der Richtlinien, die wir in unserer Familie anwenden.

 

1.Wir sind nie gemein zueinander. Es gibt Streitereien – und es gibt Gemeinheiten. Gemeinheiten sind nie Ok. Wir versuchen, unseren Kindern begreiflich zu machen, dass Geschwister fürs Leben sind. Freunde kommen und gehen. Wir erklären Ihnen, dass Sie nur diese schönen Zeiten mit ihren Cousins haben können, weil wir als Mami und Papi eine gute Beziehung zu unseren Geschwistern haben und das auch noch 20 Jahre nach unserer Kindheit.

siblings

1. We are NEVER mean to each other. There is quarreling and then there is simply being mean. And this is never OK. We try to make them understand that siblings are here for life. Friends come and go. We explain to them that they can only have these fun times with their cousins because we as Mom and Dad have a good relationship with our siblings today, being adults.

2.Wir leben den älteren Geschwistern vor, wie sie konstruktiv auf die Fehler ihrer jüngeren Geschwister reagieren können:
Im Augenblick bin ich mit unseren Kindern auf einem Campingplatz in Frankreich. Gerade heute gab es so eine Situation, in der ich meinem Ältesten praktisch zeigen konnte, wie man auf solche Situationen reagieren kann.
Meine Kinder spielten fangen und mein Ältester stand auf einen Camping Stuhl. Es war ein älterer, auf den nur ein Tuch gespannt war. Sobald er darauf stand, riss der Stoff und der Stuhl war kaputt. Nun.. unser Ältester ist fähig, viele Dinge tun, welche die Jüngeren noch nicht tun können oder noch nicht kennen … und er neigt in diesen Situationen dazu, hohe Ansprüche an Sie zu haben.

Geschwister

So erklärte ich ihm: „Oh, es ist gebrochen! Und weisst du was? Ich bin nicht hart mit dir, weil mir bewusst ist, das du noch nicht wissen konntest, dass der Stoff reissen könnte. Ich wusste es, weil ich mehr Erfahrung habe. Auch die gleiche Weise möchte ich, dass du Geduld mit deinen jüngeren Geschwistern hast, wenn ihnen etwas Ähnliches passiert. Oft kennen sie es noch nicht oder sie wissen es nicht besser. Kannst du mir versprechen, auch mit Ihnen wegen solchen Dingen nicht ins Gericht zu gehen?  Nun, er versprach es mir und ich weiss, dass er diesen Grundsatz in seinem Leben anwenden wird.

3.Wir helfen Ihnen, Konflikte lösen und emotionale Herausforderungen zu meistern, die ihnen zu gross erscheinen. Einer unserer Jungen kann schnell frustriert sein, wenn Dinge nicht so laufen, wie er möchte oder auch wenn er die Spielregeln eines Spiels nicht versteht. In diesen Situationen tendiert er dazu, seine Geschwister anzuschreien, zu heulen und total aufgelöst zu sein. Wir intervenieren in solchen Situationen und helfen ihm, diese zu verstehen, mit ihnen richtig umzugehen und wir trösten ihn. Nurmalerweise beruhigt er sich dann sofort und spielt dann fröhlich weiter.

4.In bestimmten Situationen akzeptieren wir überhaupt keinen Streit.
Ein Beispiel ist, wenn wir mit dem Auto unterwegs sind. Wenn ich fahre, sind Streitereien nicht erlaubt. Ich halte dann am Strassenrand an, sage ihnen, dass ich mich nicht konzentrieren kann und fordere sie auf, mir mitzuteilen, wenn sie fertig sind. Wir setzen unsere Kinder im Auto aber nie auseinander, um zu verhindern, dass sie miteinander streiten.
Als Resultat davon lernen sie Eigenverantwortung. Wir haben nie Streitereien im Auto…oder allerhöchstens für ein paar Sekunden, dann kommen sie wieder miteinander aus.

Es gibt natürlich noch andere Wege, die wir anwenden, um unseren Kindern den Umgang miteinander zu lehren, so dass sie es gut miteinander haben können.
Aber alle diese Wege haben schlussendlich den selben Zweck:

Wir möchten, dass die Kindheit unserer Kinder eine Zeit ist, wo sie lernen, wie sie eine gute Beziehung zu einander haben können. Wir möchten Ihnen das Geschenk ermöglichen, Geschwister zu haben, die sie kennen und lieben. So nehmen sie zwei wunderbare Realitäten mit, wenn sie älter werden.

Nummer eins: Die Kenntnis, wie man richtig streitet und wie sie langfristige Beziehungen haben können – mit jeder Person, die sie kennen, nicht nur unter ihnen als Geschwister.

Nummer zwei: Sie werden Geschwister fürs Leben haben, auf die sie zählen können, die für einander sorgen und die sich lieben.

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