Ist unser Leben geprägt von Hingabe – oder Auslieferung?
Wussten Sie, dass es einen großen Unterschied zwischen Hingabe und Auslieferung gibt? Auch wenn dieser Unterschied von aussen meist nicht sichtbar ist.
Viele christliche Lieder handeln von diesem Thema: „Ich geb mich dir ganz hin“,“Ich bin dein“, „Nimm mein Leben…“ – schöne Lieder. Ich meine, Hingabe ist wirklich etwas Schönes. Menschen, die in Hingabe wandeln, sind meine Helden, die ich nachahmen möchte. Ich möchte von ihnen lernen und in ihre Fussstapfen treten.
Als ich jedoch eines Abends die Treppe runterging um dort eine persönliche Zeit mit Gott zu verbringen, redete Er plötzlich zu meinem Herzen: „Jeanne, Hingabe und Auslieferung ist nicht dasselbe! Ich war schockiert. Ich hatte nie über einen Unterschied nachgedacht.
An diesem Abend, während meiner Zeit mit Gott, nahm ich einen Stift und begann zu schreiben. Diese Erkenntnis hatte gerade mein tiefstes Inneres getroffen. Ich erkannte, dass das, was ich lebte, keine echte Hingabe war. Ich lieferte mich aus – an die Menschen, denen ich nahe sein wollte und an Gott.
Ich weiss, das hört sich doch eigentlich gut an, mein Leben an Gott auszuliefern, nicht wahr?
Lassen Sie mich erklären:
Ich erinnerte mich an eine Situation zurück, die ich vor ein paar Jahre erlebt hatte: Ich war damals gerade in Bolivien und besuchte einen Gottesdienst. Wir waren mitten im Lobpreis, als Gott in mein Herz sprach und mir aufzeigte, dass ich mein ganzes vergangenes Leben in Auslieferung gelebt habe. Ich wusste es nicht besser, als mich selbst aufzugeben, um denen zu gefallen, die mir etwas bedeuteten. Meine unausgesprochene Haltung war: Nimm mich, mach mit mir was du willst, ich werde tun was du willst… Liebe mich einfach. Meine Motivation war jedoch nicht Liebe, sondern Angst … Angst, nicht geliebt, gewollt und geschätzt zu werden.
Ungefähr zehn Jahre waren seitdem vergangen, bis an jenem Abend an dem Gott mir zeigte, dass Hingabe und Auslieferung nicht das gleiche ist. Diesmal verstand ich in einem viel grösseren Ausmass, was dies für mein Leben bedeutete.
Mir wurde klar:
Hingabe bedeutet: Leidenschaft, Identität, Sicherheit, Selbstbestimmung, Königlichkeit, Ehrbarkeit, Freiheit.
Hingabe macht das Gegenüber zum ehrenvollen Empfänger.
Ausgeliefert sein hingegen beinhaltet: Machtlosigkeit, Wertlosigkeit, Identitätslosigkeit, eine Opferrolle einnehmen, es macht den anderen zum Täter.
- Wenn ich zu Hause bei meinen Kindern bleibe, statt arbeiten zu gehen, weil ich das muss.
- Wenn ich bei meinem Mann bleibe, der mir nichts gibt, weil die Bibel es so verlangt.
- Wenn ich mit meinem Mann Sex habe, weil dies wohl oder übel eine eheliche Pflicht ist.
- Wenn ich meinen Dienst in der Kirche mache, weil es sonst niemand tut.
- Wenn ich meinen erwachsenen Kindern mit Geld aushelfe, weil ich fürchte, sie kämen sonst nicht zurecht.
Wenn wir sie jedoch mit einer Haltung von Auslieferung tun, verpassen wir all das Schöne, weil wir uns im Bereich der Machtlosigkeit, Wertlosigkeit, Identitätslosigkeit und der Opfer-rolle bewegen, die andere zum Täter macht.
Es ist die Geschichte des verlorenen Sohnes.
Sein älterer Bruder war treu bei seinem Vater geblieben. Es gab sicherlich viel zu tun.
Er nahm seine Position als Sohn sehr ernst. Zumindest dachte er das.
Auf dem Bild sehen wir ihn rechts im roten Mantel. Er betrachtet die Szene nebenan abwertend. Wir wissen aus der Bibel, dass er wirklich wütend war. Wir wissen auch warum:
Lukas 15:28-30
Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Sein Vater nun ging hinaus und redete ihm zu.
Er aber antwortete und sprach zum Vater: Siehe, so viele Jahre diene ich dirund habe nie dein Gebot übertreten; und mir hast du nie einen Bock gegeben, damit ich mit meinen Freunden fröhlich sein kann.
Nun aber, da dieser dein Sohn gekommen ist, der dein Gut mit Huren vergeudet hat, hast du für ihn das gemästete Kalb geschlachtet!
Das Problem ist, dass er nicht in echter Hingabe gelebt hatte. Er hatte weder eine Ahnung von seiner wirklichen Position, noch kannte er das Herz seines Vaters. Er lieferte sich aus und dachte, dass dies echte Hingabe sei. Das führte zu Aussagen wie:
- Mir hast du nie einen Bock gegeben…
- so viele Jahre diene ich dir…
- habe nie dein Gebot übertreten!
Kennen wir dieses Gefühl nicht in unserem eigenen Leben?
Es klingt wie: „Ich war dir ausgeliefert, arbeitete wie ein Sklave und unterwarf mich deinen Befehlen!“
An der Antwort des Vaters sehen wir, dass dieser kein Tyrann war: Dieser Vater wollte keinen Sklaven – er sehnte sich nach einem Sohn, er sehnte sich nach echter Hingabe!
Lukas 15:31
Er aber sprach zu ihm: Mein Sohn, du bist allezeit bei mir, und alles, was mein ist, das ist dein.
Dieser Sohn dachte, er lebe ein hingegebenes Leben – aber echte Hingabe hinterlässt keinen Nachgeschmack von Bitterkeit!
Dies ist der Unterschied:
Es geht um unsere innere Realität, um unsere Einstellung. Wir können uns hingeben – sei es Gott oder einer Person – weil wir es müssen, weil wir keine Wahl haben oder weil wir nicht die Identität haben, etwas anderes zu tun. Wir können uns hingeben, weil wir fühlen, dass das von unserer Familie oder unserer Gemeinde erwartet wird. Aber das ist dann keine Hingabe, sondern wir liefern uns damit aus.
Echte Hingabe hingegen kommt mit einer inneren Entscheidungsfreiheit. Sie kommt mit Dankbarkeit und Souveränität. Wir haben die Identität, zu entscheiden, an wen und wie stark wir uns hingeben wollen. Und wenn wir es tun, tun wir es aus Liebe.
Mit welcher Einstellung treffen wir unsere Entscheidungen? Wenn wir es aus echter Hingabe tun, kommt dies mit Leidenschaft, aus einer freien Entscheidung heraus. Unser freier Wille ist inbegriffen. Unsere Einzigartigkeit ist inbegriffen. Freude und Begeisterung sind inbegriffen. Und unsere Hingabe macht das Gegenüber zum ehrenvollen Empfänger
im nächsten Beitrag werden wir uns weiter mit diesem Thema beschäftigen und uns anschauen, wie wir ein Leben der Hingabe leben können und dabei diese Opfermentalität der Auslieferung abstreifen können.
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