Ermutigen wir unsere Kinder zum Träumen?

von | Mai 26, 2019 | Erziehung | 1 Kommentar

Hast du jemals erlebt, wie dein Kind dir so etwas sagt wie:

“Mami, ich will einmal fliegen… können wir irgendwann mit einem Flugzeug fliegen?” Oder:
“Mami, sieh mal diese tollen Stand mit Luftballone!”

Oft sind wir mit etwas anderem beschäftigt und versuchen, die Angelegenheit schnell zu lösen:

“Ja, das können wir irgendwann machen/kaufen. Aber im Moment haben wir kein Geld/keine Möglichket/keine Zeit, etc. Jetzt geh spielen….”

Oder vielleicht sagt dir dein Kind:

“Mami, ich will eines Tages Feuerwehrmann werden!”

Manchmal neigen wir zu, Antworten wie:

“Ja, aber du weisst, dass es gefährlich ist, Feuerwehrmann zu sein” oder

“Du willst Bademeister werden? Nun, die Lohnskala eines Bademeisters ist etwas tief…”

Träume

Ich weiss nicht, wie es dir geht, aber ich finde mich immer wieder in Situationen wie diesen.

Im Gespräch mit anderen Eltern neigen wir dazu, über die Träume unserer Kinder zu lächeln.

“Mein Kind will ein Entdecker sein, wenn es erwachsen wird”!”

“Ja, meines wollte letzte Woche Landwirt werden. Diese Woche ist es der Müllmann.”

Ein Lachanfall folgt manchmal von allen Seiten.

Kommt dir das bekannt vor?

Vor kurzem las ich das Buch ” Understanding Childrens Emotions” (Wie man die Emotionen von Kindern versteht) von Isabelle Filliozat (sehr empfehlenswert, leider nur auf französisch, spanisch und englisch erhältlich), als ich auf die Offenbarung stiess, dass Kinder das oft nicht als den endgültigen Plan sehen.

Stattdessen lieben sie es einfach zu träumen.

Warum lassen wir sie nicht einfach?
Oder noch besser, warum schliessen wir uns ihnen nicht einfach an?

“Du willst fliegen? Was für eine tolle Idee! Wir würden in diesem Flugzeug Platz nehmen und oh, lass uns vorne sitzen, ok? Dann schnallen wir uns an, der Pilot gibt Schub und laaangsam beschleunigen wir auf dieser Startbahn…. und dann, juheeee, starten wir. Kannst du die Erde da unten sehen? Wow, wunderschön!”

Träume

Wenn du zusammen mit deinem Kind fertig geträumt hast, wird es gesättigt sein und zu anderen Dingen übergehen – oder, wenn der Traum tief mit seiner Persönlichkeit verbunden ist, dann ist dies vielleicht der wegweisende Beginn von etwas Grossem in seinem Leben.

Kinder können so amüsant sein.

Während sie klein sind, haben sie keine Angst zu träumen. Sie setzen sich dabei keine Grenzen.

Warum nicht ein Müllmann werden? Sie kümmern sich nicht um den sozialen Status oder das finanzielle Einkommen. Vielleicht sehen sie einfach nur diese starken Männer, die hinten auf diesem Müllwagen stehen können und so von Haus zu Haus fahren.
Hey, das ist doch Abenteuer!

Ich weiss nicht, wie es dir geht, aber einige meiner persönlichen Träume wurden auf Eis gelegt. Einige sind zerschlagen. Bei einigen, habe ich als Erwachsene erkannt, dass sie nicht wirklich realisierbar sind.

Was macht das mit mir – und wie wird das meine Antwort auf die Träume meiner Kinder beeinflussen?

Werde ich zynisch?

Lächle ich über die Träume meiner Kinder?

 Als ich an diesem Artikel arbeitete, sagte mir meine Nichte:

“Jeanne, ich will eine Königin werden!”

Nun, meine Nichte lebt die meiste Zeit in Indien, der Hintergrund ihrer indischen Wurzeln ist die niedrigstmögliche Klasse.

Wie reagiere ich auf eine solche Erklärung? Lache ich über ihre kindliche Naivität, weil ich weiss, dass sie nie eine Königin werden wird, egal ob sie ihr Erwachsenenleben in Indien oder der Schweiz verbringen wird?

Oder habe ich ein Lächeln mit bitterem Beigeschmack, wenn ich an meine Träume denke, die nie Wirklichkeit wurden?

Ich will, dass meine Kinder träumen. Und ich will sie direkt in diese hineinführen.

Wie kann ich das machen?

Für diesen Artikel habe ich vier Punkte entwickelt, die uns helfen sollen, die Realität und Bedeutung des Träumens für unsere Kinder besser zu verstehen – und wie wir unsere Kinder ermutigen und führen können, in das einzutreten, was sie wirklich sind, um ihre Träume zu leben, auch wenn sie in einer Welt leben, die bei Weitem kein Märchen ist.

1. Träume mit deinem Kind

Es ist eine der wunderbarsten Gelegenheiten, die Bindung, die wir mit unseren Kindern haben zu Stärken, wenn wir sie in ihrem Traum begleiten. Wir werden in der Lage sein, die Fantasie in ihnen zu wecken. Wir können sie führen und sogar Türen zu Träumen und Ideen öffnen, an die sie bisher noch nicht einmal gedacht haben.

Träume

2. Dränge dein Kind nicht zu früh in langfristige Verpflichtungen.

Dein 6-12-jähriges Kind träumt also davon, Schlagzeug zu spielen?

Stelle dir vor, du hast diesen Traum deines Kindes schon eine Weile lang gehört und beschliesst, ihn zu erfüllen, indem du ihm ein brandneues Qualitäts-Schlagzeug kaufst, zusammen mit einem Jahr Schlagzeugunterricht.

Es besteht die Möglichkeit, dass dieses Kind erfreut und begeistert ist…. für die ersten  paar Wochen.

“Mami, ich will kein Schlagzeug mehr spielen. Ich will Klavier spielen!”

Ich kann verstehen, warum du dann findest, dass das keine so gute Idee ist.

Vielleicht ist deine Antwort:

“Oh nein, das tust du nicht! Wir haben dir dieses brandneue Qualitäts-Schlagzeug und ein Jahr Schlagzeugunterricht gekauft. Du wirst das Schlagzeug bis zum Ende des Jahres spielen und noch länger! 

Indem du jedoch weisst, dass das Alter zwischen 6 und 12 Jahren eine perfekte Zeit ist, um unsere Kinder zu befähigen, ihre einzigartigen Fähigkeiten, Gaben und Talente zu entdecken, ist es sinnvoller , wenn du ein Schlagzeug für dein Kind mietest oder ausleihst. Und vielleicht solltest du dein Kind vorerst nur für drei Monate  verpflichten, in den Unterricht zu gehen.

Wenn dein Kind dir dann sagt: 

“Mami, ich will kein Schlagzeug mehr spielen, ich will Klavier spielen!”

Dann kannst du zu deinem Kind sagen:

“Oh, ich liebe deine Idee! Ich denke, du wirst sehr gut Klavier spielen können.

Aber zuerst spielst du drei Monate lang Schlagzeug. Danach freue ich mich darauf, wenn du Klavier lernst!

Träume

3. Hilf deinem Kind zu entdecken, wer er oder sie wirklich ist

Träume können der erste Funke des Ausdrucks der eigenen Persönlichkeit sein. Wie wichtig wird es sein, diesen ersten Funken nicht sofort auszulöschen. Stattdessen lass den Traum einfach stehen. Wenn etwas tieferes dahinter steckt, wird mehr daraus werden. Wenn nicht, wird dein Kind zu anderen Dingen übergehen oder erkennen, dass der Traum etwas aufgeweckt hat, das nicht genau zutrifft, aber dass er in diese Richtung geht. Träume können wirklich helfen, die eigenen Talente, Leidenschaften und die eigene Persönlichkeit zu entdecken.

4. Begrenze die Träume deines Kindes nicht durch deine eigene Realität

Jeder hat zerschlagene Träume. Da es ein guter Rat ist, von diesen nicht sein eigenes Potenzial einschränken zu lassen, ist es umso wichtiger, deine Kinder (und allgemein die Menschen um dich herum) nicht davon abzuhalten, zu träumen.

Nicht alle Träume führen zu etwas Grossem, aber fast alle grossen Dinge haben mit einem Traum, mit einer Vision begonnen. Also bauen wir doch gemeinsam mit unseren Kindern ein Fundament, auf dem sie träumen können. Es ist so ein spannender Prozess, der die Phantasie unserer Kinder und von uns selbst weckt.

1 Kommentar

  1. Anna-Lena

    Super Gedanken! Mein ältester Sohn bastelt gerne und hat oft Ideen, die er dann (meist kurz vor dem Schlafen) noch umsetzen möchte. Ich bastle überhaupt nicht gern und mir fehlen dann die Ideen wie ich ihm helfen könnte und auch die Lust und Zeit dazu. Ich weiss dann oft nicht wie ich ermutigend auf seine Ideen reagieren soll. Vor allem auch der Vorschlag das Ganze auf den nächsten Tag zu verschieben kommt gar nicht gut an 😉

    Antworten

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