Auch wenn es sich in diesem Artikel um einen Zweijährigen handelt, wecken Frank und Catherine Fabiano in ihrem Buch “Die Herzen unserer Kinder berühren” unsere Hoffnung, indem sie uns sagen, dass Gott uns Eltern eine zweite Chance gegeben hat, wenn wir diese Lebensphase durcheinanderbringen: Die Teenagerjahre! Ähnliche Prinzipien wie diejenigen, über die ich in diesem Artikel schreibe, gelten für diese Lebensphase.

Wie mein Leben trotz Trotzphase unseres Zweijährigen entspannt wurde

von | Feb 4, 2019 | Erziehung

Heute, während ich diesen Beitrag schreibe, wird mein Jüngster drei Jahre alt.

Wie ich schon in diesem Artikel erwähnt habe, war unser Jüngster derjenige von unseren Kindern mit diesen typischen zweijährigen Manieren, genannt “die Trotzphasen”.

Wutausbrüche im Supermarkt, trotzige Einstellung, Wut und rebellisches Verhalten – wir haben alles gesehen.

Doch bei all der Anstrengung fand ich diese Phase gleichzeitig äusserst faszinierend und sogar schön.

In diesem Beitrag werde ich versuchen zu beschreiben, was ich entdeckt habe und wie diese Erfahrung mich in eine entspannte Mutter verwandelt hat, die sich in der Lage fühlt, mit dieser Phase auf entspannte Weise umzugehen.

Kennen Sie das Gefühl der Überwältigung oder der Müdigkeit, um mit dieser Art von Wutausbruch fertig zu werden? Das Gefühl, in Ihrer Autorität bedroht zu werden? Die Machtlosigkeit, wenn man versucht, sich so starken Emotionen zu stellen?

Viele Male, wenn ich meinem kleinen Jungen aus irgendeinem Grund “nein” sagte, reagierte er mit grosser Wut. Vom Stampfen seiner kleinen Füsse über das Schlagen auf mich bis hin zum auf den Boden Werfen und Schreien – er hatte sehr viele kreative Möglichkeiten, sich auszudrücken. Natürlich mag ich es nicht leiden, wenn man mich schlägt, wie alle anderen Eltern auch. Wutausbrüche im Supermarkt (und die vorwurfsvollen Blicke) sind auch nicht mein Favorit. Ein schreiender kleiner Junge passt nicht wirklich in meinen vollen Zeitplan.

Es ist nicht ohne Grund, dass dieses Alter als die “Trotzphase” bezeichnet wird! Es gibt viele Bücher, die uns sagen, wie wir auf ein solches Verhalten unserer Kleinkinder reagieren sollen. Wir können Super-Nanny dabei zusehen, wie sie mit dieser Art von Betragen super effektiv umgeht und das Gefühl hinterlässt, dass es einfach nur um die “richtige Methode” geht, wie man das Verhalten in diesem Lebensabschnitt unserer Kinder kontrollieren kann.

Unser Zweijähriger hat sich als der süsseste, zarteste, erstaunlichste und faszinierendste Junge entpuppt, den man sich vorstellen kann. Sie werden sich vielleicht fragen, wie das oben beschriebene Verhalten und diese Aussage zusammenpassen.

Nun, ich denke, der Glaube, den wir in uns tragen, wird unsere Reaktionen auf das Verhalten unseres Kleinkindes stark beeinflussen.

Berühmte Experten raten Eltern:

“Ein Temperamentsausbruch ist eine absolute Ablehnung der elterlichen Autorität. Eltern sollten das Kind isolieren (mit einem Versprechen der Konsequenzen) und dann mit Züchtigung (Schlagen) fortfahren, sobald sich das Kind wieder beruhigt hat” (Gary Ezzo, Author von “Schlaf gut mein kleiner Schatz” in Growing Kids God’s way- (Kindererziehung nach Gottes Plan)).
Oder mit den Worten eines anderen Experten:

“….Wutanfälle sind eine Form von herausforderndem Verhalten, das durch einen oder mehrere geeignete Schläge beseitigt werden kann. (S.108, J.Dobson, The new Dare to discipline)
“Einige willensstarke Kinder verlangen unbedingt, dass man ihnen den Hintern versohlt, und ihre Wünsche sollten erfüllt werden… zwei oder drei zünftige Schläge auf die Beine oder den Hintern mit einer Rute reichen in der Regel aus, um den Punkt klar zu machen, ´Du musst mir gehorchen.´ (J.Dobson, The new strong willed Child)

 Wenn ich solche Bücher lese und sehe, welche Ansichten solche “Experten” den Eltern einpflanzen, weint mein Herz.

Es ist mehr als natürlich, dass eine solche Sichtweise eine Wut und den Drang in uns Eltern auslöst, konsequent zu reagieren, wenn wir mit dem Ausbruch und der Wut unseres Kleinkindes konfrontiert werden – schlimmer noch, wenn dieses Kleinkind uns in seinem Zorn schlägt!

Aber ich würde nie so über mein Kind denken! Ich würde die Reaktionen und Handlungen meines Kleinkindes nie so interpretieren!

Gerne möchte ich Ihnen aufzeigen, was ich entdeckt habe und wie wir einen süssen, bezaubernden, zarten, kleinen Jungen inmitten seiner Trotzphasen aufgedeckt haben!

Empathie und Mitgefühl können Wunder bewirken
Immer wieder bin ich erstaunt, wie mein kleiner Junge reagiert, wenn ich seiner Wut, Frustration und Rebellion mit Empathie und Mitgefühl begegne.

Ich habe gelernt, dass eine “souveräne” Haltung von mir (ich bin die Mutter, du kannst schreien, wie du willst, du wirst es nicht bekommen!) nicht gegen jene Zeiten antreten kann, in denen ich ihn mit Empathie und Mitgefühl erreiche. Es kann nicht mit Zeiten konkurrieren, in denen ich ihm zeige, dass ich für ihn sorge, ihn verstehe…. und dass ich ihn liebe, egal was passiert.

Als ich einige Tests durchführte, was ihm am meisten hilft, fand ich heraus, dass, wenn ich ihn zärtlich frage:

“Oh, du bist so wütend, weil du diese Schokolade wolltest? “

sich meistens ein Weg zu seinem kleinen Herzen öffnet. Nachdem ich die Gefühle benannt habe, die er in diesen Momenten erlebt, sage ich:

Oh, ich verstehe. Das ist wirklich frustrierend / traurig / herausfordernd etc. Willst du in meine Arme kommen?”

Meistens stimmt er zu und legt seinen Kopf auf meine Schulter und schluchzt weiter. Manchmal, nach einer Weile (und ich bin immer fasziniert, wenn das passiert) sagt er mir:

“Ist gut, ist wieder gut”

und geht wieder spielen.

Oftmals sind seine starken Emotionen nicht eine Art des “Ungehorsams” oder der “Herausforderung meines Willens”, sondern sie beruhen auf seiner beschränkten Reife und alters-limitierten Weltanschauung.
Während ich das schreibe, sind wir in Deutschland in einem Skiurlaub. Winterurlaub ist etwas, was wir noch nie zuvor getan haben. Wir sprachen über diese Ferien, als wir noch zu Hause waren, und sprachen begeistert darüber, wie wir “Ski fahren” würden. Da rief er alarmierend:

“Nein! Ich will nicht Ski fahren!!!!!”  “Ok,” antwortete ich sanft, “kein Problem. Willst du lieber schwimmen gehen?” (im Wissen, dass er die Bedeutung dieses Wortes gut kannte). Er rief fröhlich aus: “Ja, schwimmen!”

Jetzt, in diesen Ferien, ist er derjenige, der es absolut liebt, Ski zu fahren. Ich hatte nur ein paar Plastik-Ski für ihn mitgebracht, die nicht wirklich geeignet sind, um ernsthaft Ski zu fahren. Aber nachdem er uns gleich am Anfang entschlüpft war, um mit voller Geschwindigkeit die Piste hinunterzusausen, beschlossen wir, ein Paar echte Skier für ihn zu mieten. Er geniesst es wirklich von ganzem Herzen.

Das Gleiche gilt, wenn er irgendwo mitfahren soll, wo er selten mitfährt, wie auf Seilbahnen zum Beispiel. Wenn wir uns der Seilbahn nähern, schreit er:

“Nein, nicht damit fahren!”

Ich spreche zärtlich mit ihm und halte ihn:

“Alles wird gut werden! Mami ist hier! Ich pass auf dich auf!”

In nur zwei-drei Minuten beruhigt er sich und geniesst die Fahrt.

 

Ich habe gelernt, dass “sein Wille” oft völlig akzeptabel ist.

“Oh, du willst deine Sachen selbst anziehen? Bitte schön, lass es mich wissen, wenn du Hilfe brauchst!”

“Du willst lieber die blaue Tasse als die rote? Kein Problem!”

“Willst du noch ein bisschen auf dem Spielplatz bleiben? Ok! Sagen wir, fünfmal die Rutsche runterfahren, ist das in Ordnung für dich?”

“Wow, ich sehe, du bist gerade sehr müde und verärgert. Möchtest du eine kurze Radtour machen (etwas, das er liebt und das ihn entspannt) – oder sollen wir zusammen ein Puzzle machen?”

    Seine Wut macht ihn nicht zu einem “bösen, rebellischen und ungezogenen” Jungen.

    Ich erinnere mich an die Zeit, als ich in einem Restaurant als Kellnerin arbeitete. Der Besitzer des Restaurants hatte eine sehr herausfordernde Art, seine Mitarbeiter zu behandeln. Manchmal, nachdem ich so behandelt worden war, war ich so wütend…. Ich träumte davon, das Tablett voller Gläser mitten im Restaurant loszulassen, um auszudrücken, wie ich mich fühlte.

    Natürlich tat ich das nicht. Ich wollte nicht all die Gläser bezahlen. 

    Haben mich diese Gefühle zu einem “bösen Mädchen” gemacht?

    Ich bin sicher, Sie haben mich eben nicht als böses Mädchen betrachtet, nachdem Sie über meine Erfahrung gelesen haben.

    Was wäre, wenn ich das Tablett mit den Gläsern losgelassen hätte?

    Wahrscheinlich hätte ich dafür etwas Kopfschütteln verdient. Sie würden den Level der Wut erkennen, den ich in mir trug. Aber trotzdem wäre ich kein “böses, rebellisches Mädchen” gewesen.

     Der Punkt bei dieser Geschichte ist folgender: Ich habe gelernt, wie ich mit meiner Wut umgehen muss.

    Manchmal ging ich nach Hause und schrie meine Wut in mein Kissen. Oder ich ging raus, um zu laufen. Nach ein paar Monaten kündigte ich den Job und fand einen viel besseren.

    Sehen Sie, ich glaube, dass ein Kleinkind einfach so sein kann: Ein kleiner Mensch mit grossen Gefühlen. Mit dem grossen Unterschied, dass es noch nicht weiss, wie es mit ihnen umgehen soll. Und Wut ist ein natürlicher Bestandteil des Lebens – schon in diesem Lebensabschnitt. 

    Deshalb ist es nicht unsere Aufgabe, sie zu bestrafen, weil sie diese Wut erlebt haben. Wie viel mehr ist es unsere Aufgabe, ihnen beizubringen, wie man damit umgeht. Lehren wir sie doch Mitgefühl, Zärtlichkeit, Selbstbeherrschung, Liebe, Frieden, Geduld…

     Meine persönliche emotionale Reaktion auf diese Lebensphase meines Kleinkindes änderte sich, als ich begriff, dass mein kleiner Junge nicht versuchte, meine elterliche Autorität abzulehnen. Er hatte kein “schlechtes Verhalten”, das beseitigt werden muss, damit ich meine elterliche Pflicht erfülle.

    Er ist einfach ein wütender kleiner Junge mit kreativen Möglichkeiten, seine Wut auszudrücken – und er muss lernen, wie man sie richtig ausdrückt.

    Die Wut angemessen zum Ausdruck bringen – dies geschieht natürlich nicht, indem er Mami (oder ein anderes Lebewesen) schlägt.

    Aber heute habe ich keine Angst davor, dass meine elterliche Autorität eingeschränkt wäre.

    Ich bringe ihm einfach bei, wo er stattdessen hin schlagen soll.

    Beim ersten Mal war das fast schon komisch:

    Er war wirklich wütend, schrie, schlug mich, sah mich mit diesem Blick eines trotzigen, bösen Kindes an. Ich sagte leise, aber fest zu ihm: Wow, ich sehe, du bist schrecklich wütend! Aber schau, getroffen zu werden tut weh. Du kannst hier auf den Boden, den Stuhl oder sogar den Tisch hauen, aber nicht auf mich, das tut mir weh! Ich zeigte es ihm, indem ich schrie und auf den Tisch schlug und seine Wut imitierte. Er sah mich verwirrt an…. schüttelte den Kopf und fing an, leise zu weinen. Ich nahm ihn in meine Arme, und da hatte ich einen kleinen Jungen in meinen Armen, der sich beruhigte und mich fest umarmte.

    Vielleicht verstehen Sie nun, wieso ich denke, dass dieses Alter so faszinierend sein kann.

    Faszinierend, wie er auf meine Barmherzigkeit und meine Empathie, auf meine Nähe, meine Wärme und mein Verständnis reagiert.

    Wie er, auch wenn ich ihm nicht gebe, was er will, meinen Trost annimmt.

    Wie er lernt, mit seiner Frustration und Wut umzugehen, wie er seine Verletzlichkeit, seine einzigartige Art, diese Welt zu sehen, zeigt.

    Wie er mir völlig vertraut – bis zu dem Punkt, dass er beim letzten Besuch beim Zahnarzt während der ganzen Behandlung friedlich auf meinem Schoss sass und einen Tom und Jerry Film über ihm ansah – und dies einfach nur weil er mir vertraut, wenn ich sage, dass alles in Ordnung sein wird.

     

    2 Kommentare

    1. Martina Baumann

      Ein wunderschöner Text, danke!
      Bei den “Ratschlägen” dieser “Experten” hab ich echt gedacht, ich läse nicht richtig… auch wenn es mir leider oft nicht gelingt, in herausfordernden Situationen empathisch und souverän zu reagieren, liegt mir der Gedanke, dass das “böse” Kind mir bewusst “Böses” will, völlig fern.

      Antworten
      • Jeanne

        Ja ich kenne dieses Gefühl! Leider ist dieses Denken jedoch weit verbreitet…!!

        Antworten

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